C. Hafner im Portrait: Die Pforzheimer Scheideanstalt zwischen Recyclinggold, Feingoldbarren und 175 Jahren Firmengeschichte
Im November 1875 arbeiteten in der Pforzheimer „Kehretsfabrik“ C. Hafner genau 17 Menschen, dazu verzeichnete eine Gewerbeübersicht eine Dampfmaschine mit sechs Pferdestärken, vier Brennöfen und drei Tiegelöfen. Ihr Rohstoff war das, was andere zusammenkehrten: Goldstaub, Feilspäne und Verschnitt aus den Werkstätten der Goldstadt. Gut 150 Jahre später liegen aus genau diesem Kreislauf C. Hafner Goldbarren mit 999,9er Feingehalt in deutschen Tresoren. Dieses Portrait zeigt, wie aus Kehricht ein LBMA-gelisteter Feingoldbarren wird, was hinter dem Schlagwort „Recyclinggold“ steckt und was der Name Hafner beim Wiederverkauf tatsächlich wert ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Gegründet 1850 in Pforzheim als Abteilung für „Kehretspräparation“, seit 1869 unter dem Namen C. Hafner, heute in fünfter Generation familiengeführt.
- Sitz in Wimsheim (Enzkreis) seit 2015, die Scheiderei blieb in Pforzheim.
- Recycling statt Mine: Laut Unternehmen gewinnt Hafner seine Edelmetalle aus Sekundärmaterial wie Altgold und Verarbeitungsabfällen, frisches Minengold lehnt es ab.
- LBMA Good Delivery seit dem 8. März 2013, Feingehalt 999,9, Lieferung in der versiegelten „CertiCard“.
- Beim Wiederverkauf zählt vor allem der Goldgehalt. Ein unbeschädigter Barren eines gelisteten Herstellers wird im seriösen Handel in der Regel zum gleichen Kurs angekauft wie vergleichbare Barren von Heraeus, Umicore oder Valcambi.
Am Anfang war Kehricht: Die Gründung in der Goldstadt Pforzheim
Ohne Pforzheim gäbe es C. Hafner nicht. Die Schmuckindustrie der Stadt geht auf ein Edikt des Markgrafen Karl Friedrich von Baden aus dem Jahr 1767 zurück. Im 19. Jahrhundert wuchs die „Goldstadt“ zu einem der bedeutendsten Zentren der Schmuck- und Uhrenindustrie in Europa heran, Dutzende große und kleine Bijouteriefabriken entstanden. Wo täglich Gold geschmiedet, gefeilt, gegossen und graviert wird, fällt Abfall an, und dieser Abfall ist bares Geld.
Nach der Firmenchronik betrieb ein gewisser Johann Gesell ab 1831 eine solche Bijouteriefabrik in der damaligen Sophienstraße. 1850 gliederte er ihr eine „Abteilung für Kehretspräparation“ an, die nicht nur die eigenen Edelmetallreste aufbereitete, sondern auch die anderer Schmuckbetriebe. Dieses Jahr gilt als Gründungsdatum. Anfang der 1850er-Jahre kam Gesells Vetter Carl Hafner aus Nürnberg nach Pforzheim und wurde nach wenigen Jahren Teilhaber. 1869 trennten sich die Wege: Gesell und seine Söhne verlegten sich auf den Edelsteinhandel, Carl Hafner führte die Kehretsanstalt unter seinem eigenen Namen weiter. Seitdem heißt das Unternehmen C. Hafner.
Was eine Kehretsanstalt eigentlich tat
Der Name führt in die Irre: Gekehrt hat die Kehretsanstalt nicht selbst. Ihre Mitarbeiter fuhren mit Pferdewagen von Werkstatt zu Werkstatt und holten ab, was dort zusammengefegt worden war, also Goldstaub, Späne, Schleifschlamm und beschädigte Stücke. Im Betrieb wurde dieses „Gekrätz“ geschmolzen, verascht und chemisch getrennt, bis wieder reines Edelmetall vorlag. Ein Prinzip, das heute „Urban Mining“ heißt, war in Pforzheim schlicht Handwerk.
Die bereits erwähnte Gewerbeübersicht von 1875 gibt eine Vorstellung von den Dimensionen: neben dem Inhaber drei kaufmännische und technische Angestellte, acht Männer und fünf Frauen in der Produktion, dazu ein Dampfkessel, ein Pochwerk, zwei Kollergänge, eine Zentrifuge und die erwähnten Öfen. Ein Handwerksbetrieb, aber einer mit einem klaren Geschäftsmodell, das bis heute trägt.
Fünf Generationen zwischen Börsenkrach, Krieg und Strukturwandel
Die Geschichte von C. Hafner ist auch eine Geschichte deutscher Wirtschaftskrisen. Nach dem Wiener Börsenkrach von 1873 schwand die Kaufkraft, gefragt waren billigere, niederkarätige Legierungen statt möglichst reinen Goldes. Für die Scheideanstalt hieß das: weniger Gold im Scheidgut, aufwendigere Trennverfahren. Carl Hafner investierte in bessere Apparaturen und blieb wettbewerbsfähig.
Sein Sohn Robert Hafner senior erwarb 1892 die Probieranstalt Carl Dieterle und baute die chemische Analytik aus. Nach den Erinnerungen einer früheren Mitarbeiterin sorgte er in der Inflation und Arbeitslosigkeit der Zwischenkriegszeit mit Sonderzuwendungen und Kurzarbeit statt Entlassungen für die Belegschaft. In den 1920er-Jahren begann die dritte Generation mit der Fertigung von Halbzeugen wie Blechen, Drähten und Rohren für die Schmuckindustrie. Der Chemiker Herbert Hafner richtete ein metallurgisches Laboratorium ein und entwickelte das sogenannte Elfenbeingold, eine Goldlegierung für Zahnprothesen. Damit begann das Dentalgeschäft, das über Jahrzehnte eine tragende Säule blieb.
Beim Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 wurden Gebäude und Inventar fast vollständig zerstört. Robert Hafner junior baute das Unternehmen nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft wieder auf. 1995 übernahmen mit Birgitta Hafner und Dr. Philipp Reisert zwei Cousins die Geschäftsführung, die fünfte Generation. Sie trafen auf eine schrumpfende Pforzheimer Schmuckindustrie und ein Dentalgeschäft, das durch steigende Edelmetallpreise und Keramik unter Druck geriet. Die Antwort: Rückbesinnung auf das Kerngeschäft Edelmetall, eine neue Recyclinganlage und neue Geschäftsfelder. Eines davon war ab 2012 die Produktion von Feingoldbarren für Anleger, nach eigener Darstellung eine direkte Folge der hohen Edelmetallkurse.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1850 | Gründung der Kehretsabteilung im Betrieb von Johann Gesell, Pforzheim |
| 1869 | Carl Hafner führt die Scheideanstalt unter eigenem Namen weiter |
| 1892 | Übernahme der Probieranstalt Carl Dieterle |
| 1920er | Halbzeugfertigung, metallurgisches Labor, Einstieg ins Dentalgeschäft |
| 1945 | Zerstörung beim Luftangriff, anschließender Wiederaufbau |
| 1995 | Fünfte Generation übernimmt die Geschäftsführung |
| 2012 | Start der Feingoldbarren-Linie für Anleger und des Edelmetallhandels |
| 2013 | Aufnahme in die LBMA Good Delivery List für Gold (8. März) |
| 2015 | Neue Firmenzentrale in Wimsheim, Scheiderei bleibt in Pforzheim |
| 2025 | 175-jähriges Firmenjubiläum |
Zur Größe des Unternehmens gibt es vor allem Pflichtangaben: Laut dem veröffentlichten Konzernabschluss 2022 der Holding Hafner Gesellschaftsbeteiligungs-GmbH & Co. KG beschäftigte die Gruppe 276 Mitarbeiter bei einem Umsatz von rund 1,32 Milliarden Euro. Rund 97 Prozent davon entfielen auf den Materialaufwand, also im Wesentlichen auf Metallwert, der durch die Bücher läuft. Um Minen in Südamerika oder Afrika dauerhaft vor Ort zu kontrollieren, ist Hafner nach eigener Einschätzung zu klein. Genau daraus erklärt sich das Geschäftsmodell, um das es im nächsten Abschnitt geht.
Vom Kehretspräparat zum Feingoldbarren: So entsteht ein Hafner-Barren
Der Weg vom alten Ehering zum zertifizierten Barren ist länger, als viele Anleger vermuten. Er besteht nicht nur aus Chemie, sondern zu einem großen Teil aus Prüfung und Dokumentation. Nach den Angaben von C. Hafner läuft er im Kern so ab:
- Anlieferung: Goldankäufer, Goldschmiede und Industriebetriebe liefern Altgold, Bruchschmuck, Dentalgold und Produktionsabfälle an. Die Lieferanten sitzen nach Unternehmensangaben alle in Europa.
- Lieferantenprüfung: Jeder Lieferant durchläuft eine Hintergrundrecherche nach dem „Know your Customer“-Prinzip, ein Audit und einen persönlichen Besuch. Geprüft wird etwa, wer der wirtschaftlich Berechtigte ist. Ein Ampelsystem trennt unbedenkliche, zweifelhafte und gesperrte Partner.
- Chemische Analyse: Jede Lieferung wird analysiert, um den Edelmetallgehalt zu bestimmen. Die Analyse hat einen zweiten Zweck: Altgold besteht aus bekannten Legierungen mit Kupfer, Silber oder Palladium. Tauchen Elemente wie Arsen, Tantal oder Tellur auf, deutet das auf frisches Minengold hin. Dann lehnt Hafner die Verarbeitung nach eigener Aussage ab und schickt das Material zurück.
- Scheidung: In der Pforzheimer Scheiderei wird das Material geschmolzen, von Verunreinigungen befreit und auf chemischem Weg in seine Edelmetalle getrennt.
- Feingold: Am Ende steht Gold mit einem Feingehalt von mindestens 999,9 Teilen pro 1.000.
- Formgebung: Kleinere Stückelungen werden geprägt, größere gegossen.
- Verpackung und Zertifikat: Jeder Barren kommt in die „CertiCard“, ein Blister mit integriertem Zertifikat, Seriennummer und bestätigter Reinheit.
Dass diese Kette funktioniert, prüfen Dritte: Laut Dr. Philipp Reisert wird Hafner jährlich von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG geprüft. Hinzu kommen die Zertifizierung nach dem Chain-of-Custody-Standard des Responsible Jewellery Council und die Responsible-Gold-Prüfung der London Bullion Market Association, die jedes Jahr ein unabhängiges Audit der Lieferkette verlangt.
„Unser System würde nicht funktionieren, wenn wir noch keinen solchen Fall gehabt hätten.“
Dr. Philipp Reisert, geschäftsführender Gesellschafter von C. Hafner, auf die Frage nach betrügerischen Zulieferern (Jubiläumsseite 175.c-hafner.de)
Ein solcher Satz ist bemerkenswert offen. Er zeigt, dass Kontrolle nicht nur Imagepflege ist: Wer Altgold in großem Stil annimmt, bekommt früher oder später Material angeboten, dessen Herkunft nicht stimmt. Entscheidend ist, ob es auffällt.
Recyclinggold: Was „Barren aus Sekundärmaterial“ wirklich bedeutet
Auf der Website von C. Hafner heißt es knapp: „Wir gewinnen Edelmetalle aus Sekundärmaterial“. Gemeint ist Gold, das schon einmal verarbeitet war, als Schmuck, Zahnkrone, Uhrengehäuse oder Kontakt in einem Gerät. In der Unternehmenspolitik heißt es genauer: „Die Grundlage unseres Geschäftes sind Edelmetalle, welche wir auf dem Sekundärmarkt sammeln, in unserem internen Recycling-Prozess rückgewinnen oder in handelsüblicher Form ankaufen.“ Neben dem Recycling gehört also auch der Ankauf von handelsüblichem Edelmetall dazu. Ein Recycling-Goldbarren ist chemisch nicht von einem Barren aus Minengold zu unterscheiden, denn ein Goldatom trägt keine Herkunftsangabe. Der Unterschied liegt allein in der Lieferkette.
Zwei Argumente und eine Grenze
Hafner führt zwei Gründe für das Modell an, die man getrennt betrachten sollte:
- Ökobilanz: Emissionen und Energieverbrauch des Bergbaus entfallen. Auf dieser Basis stellte Hafner nach eigenen Angaben 2019 seine Goldgewinnung als erste Gold- und Silberscheideanstalt CO₂-neutral und brachte im September 2022 den nach Firmendarstellung weltweit ersten CO₂-neutralen Goldbarren auf den Markt. Solche Angaben beruhen in der Regel auch auf Kompensation, nicht nur auf Vermeidung.
- Transparente Lieferkette: Europäische Lieferanten lassen sich leichter prüfen als ferne Minen. Wer nur Sekundärmaterial verarbeitet, senkt das Risiko, unwissentlich Konfliktgold, Kinderarbeit oder Geldwäsche zu finanzieren.
- Grenze des Arguments: Reisert räumt selbst ein, dass niemand sagen kann, unter welchen Bedingungen das Gold einer alten Kette einst abgebaut wurde. Nach seiner Aussage sind rund 90 Prozent des jemals geförderten Goldes noch im Umlauf. Recycling garantiert also, dass heute sauber gearbeitet wird, nicht, dass die gesamte Geschichte des Metalls sauber ist.
Was das für Anleger bedeutet
Für den Wert eines Barrens spielt die Rohstoffquelle keine Rolle. Ein 100-g-Barren aus Recyclinggold enthält exakt so viel Gold wie einer aus südafrikanischem Erz und wird zum selben Kurs gehandelt. Es gibt keinen „Öko-Aufschlag“ beim Ankauf. Wer gezielt Recyclinggold kauft, tut das aus Überzeugung, nicht aus Renditeüberlegungen. Das ist legitim, sollte aber klar sein.
Bemerkenswert ist eine andere Seite des Themas: Das Altgold, das heute nach Pforzheim fließt, ist zu einem guten Teil privates Vermögen, das Menschen zu Geld machen. Steigt der Goldpreis, landet erfahrungsgemäß mehr Bruchschmuck bei den Ankaufstellen. Für die Scheideanstalten ist das Rohstoff. Was dieser Strom über die Lage vieler Haushalte verrät, ordnen wir weiter unten in der Kettner-Einordnung ein.
Das Sortiment: geprägt, gegossen, gestückelt
C. Hafner fertigt seine Feingoldbarren in zwei Verfahren. Laut Herstellerangaben gibt es geprägte Barren in 1 g, 2 g, 5 g, 1/4 oz, 10 g, 1/2 oz, 20 g, 25 g, 1 oz, 50 g und 100 g sowie gegossene Barren in 1 oz, 50 g, 100 g, 250 g, 500 g und 1.000 g. Dazu kommen das SmartPack mit zehn 1-g- oder 2-g-Barren, die sich an einer Perforation einzeln abtrennen lassen und jeweils ein eigenes Zertifikat tragen, sowie die SmartBox mit 25 Barren à 1 g. Verkauft werden Hafner-Barren ausschließlich über Edelmetallhändler und Banken, nicht direkt an Privatkunden.
| Merkmal | Geprägte Barren | Gegossene Barren |
|---|---|---|
| Stückelungen | 1 g bis 100 g | 1 oz bis 1.000 g |
| Herstellung | Ronde wird aus Feingoldband gestanzt und geprägt | Flüssiges Gold wird in eine Form gegossen |
| Optik | Glatte, gleichmäßige Oberfläche mit Motiv | Leicht unregelmäßige, typische Gussoberfläche |
| Aufpreis je Gramm | Höher, besonders bei kleinen Größen | Niedriger, sinkt mit zunehmender Größe |
| Typischer Zweck | Einstieg, Geschenk, flexible Teilverkäufe | Größere Beträge mit geringem Aufgeld |
Das Markenzeichen beschreibt die LBMA in ihrer Liste so: der Schriftzug C HAFNER mit einem stilisierten „ch“ in einem runden Schmelztiegel. Als Prüfmarke ist „C HAFNER MELTER ASSAYER“ rund um das stilisierte „ch“ eingetragen. Der Schmelztiegel im Logo ist ein dezenter Verweis auf die Wurzeln des Unternehmens.
Welche Größe ergibt Sinn?
Die Wahl der Stückelung ist weniger eine Frage des Herstellers als der eigenen Planung. Große Barren wie der 1-kg-Goldbarren von C. Hafner haben das niedrigste Aufgeld je Gramm, lassen sich aber nur am Stück verkaufen. Kleine Größen wie der 10-g-Barren oder der 25-g-Barren kosten mehr pro Gramm, erlauben aber Teilverkäufe, ohne den ganzen Bestand aufzulösen. Viele Anleger mischen deshalb: einen Grundstock in 100 g oder 250 g, ergänzt um kleinere Einheiten. Der 50-g-Barren liegt dazwischen.
Bei Kettner Edelmetalle reicht das Hafner-Sortiment derzeit vom 0,5-g-Barren bis zum 400-Unzen-Handelsbarren, eine Übersicht bietet die Herstellerseite Goldbarren von C. Hafner.
Hafner, Heraeus, Umicore, Valcambi: Was der Name beim Wiederverkauf bedeutet
Wer sich für einen C. Hafner Goldbarren interessiert, hat meist eine Frage im Kopf: Bekomme ich beim Verkauf genauso viel wie für einen Barren der bekannteren Namen? Die nüchterne Antwort lautet in den allermeisten Fällen: ja.
Die LBMA-Liste als gemeinsamer Nenner
Die London Bullion Market Association führt die Good Delivery List, das Verzeichnis jener Raffinerien, deren Barren am Londoner Großhandelsmarkt akzeptiert werden. Aktuell stehen dort weltweit 67 Goldraffinerien, aus Deutschland nur vier: Aurubis in Hamburg sowie mit Agosi, Heimerle + Meule und C. Hafner gleich drei Betriebe aus Pforzheim. Hafner ist seit dem 8. März 2013 gelistet. Heraeus fehlt in dieser Aufzählung: Die Hanauer Gesellschaft wurde Ende 2018 auf eigenen Wunsch auf die Former List übertragen. Auf der Goldliste ist der Konzern heute über seine Schweizer Raffinerie Argor-Heraeus in Mendrisio vertreten. Streng genommen bezieht sich die Akkreditierung auf die großen Handelsbarren von rund 400 Unzen. Im Privatkundenmarkt hat sich die Listung aber als Gütesiegel für das gesamte Sortiment eines Herstellers durchgesetzt, auch für die kleinen Barren.
Für die Listung muss eine Raffinerie unter anderem ihre Prüfkompetenz nachweisen und sich jährlich einem externen Audit ihrer Lieferkette unterziehen. Der Status ist kein Ehrentitel auf Lebenszeit: Die LBMA kann Prüfverfahren einleiten, Raffinerien vorläufig sperren oder auf die „Former List“ verschieben. 2026 leitete sie etwa Prüfverfahren zu Heraeus und zu Valcambi ein; nach Angaben der LBMA blieben beide Raffinerien gelistet. Für Käufer heißt das: Die Listung ist eine laufend überprüfte Zulassung, keine Garantie für alle Zeiten.
Was beim Ankauf wirklich zählt
Ob Hafner, Heraeus, Umicore oder Valcambi: Seriöse Händler kaufen Barren gelisteter Hersteller zum Goldkurs abzüglich ihrer Handelsspanne an. Über den Preis entscheiden andere Faktoren als das Logo:
| Kriterium | Bedeutung | Bei C. Hafner |
|---|---|---|
| Hersteller auf der LBMA-Liste | Voraussetzung für Ankauf ohne Sonderprüfung | Gelistet seit 2013 |
| Feingehalt | Bestimmt den Goldwert | 999,9 |
| Zustand und Verpackung | Ungeöffneter Blister erspart Prüfaufwand | CertiCard mit Seriennummer |
| Bekanntheit im Markt | Erleichtert schnelle Abwicklung | Im deutschsprachigen Raum gut eingeführt |
| Barrengröße | Kleine Barren haben höhere Spanne | Komplette Linie von 1 g bis 1 kg |
Hafner selbst wirbt damit, seine Barren seien „weltweit und ohne Abschläge handelsfähig“. Das ist eine Herstellerangabe und gilt in der Praxis vor allem für den professionellen Handel. Unsere Einschätzung: Im deutschsprachigen Raum ist der Name Hafner bei Händlern und Banken gut eingeführt, ein Hafner-Barren wird dort nicht schlechter behandelt als einer von Heraeus. Im Ausland, etwa bei einem kleinen Ankäufer in Asien oder Südamerika, sind Schweizer Marken wie PAMP oder Valcambi oft geläufiger. Wer damit rechnet, Gold einmal fern der Heimat verkaufen zu müssen, kann das in seine Markenwahl einbeziehen. Für alle anderen gilt: Den Ausschlag geben Aufgeld, Stückelung und Zustand, nicht der Name.
Wie Sie Ihren Barren werterhaltend aufbewahren
- Die CertiCard nicht öffnen. Ein unversehrter Blister ist der einfachste Nachweis der Echtheit.
- Rechnung und Zertifikat getrennt vom Barren aufbewahren, die Seriennummer zusätzlich notieren.
- Barren nicht direkt anfassen, Kratzer oder Verformungen können beim Ankauf zu Abschlägen führen.
- Bei Nachlass oder Schenkung die Kaufbelege mitgeben, damit die Haltedauer belegbar bleibt.
Kettner-Einordnung: Ein Stück deutscher Geldgeschichte im eigenen Tresor
C. Hafner hat in 175 Jahren den Börsenkrach von 1873, zwei Weltkriege, die Hyperinflation, die Währungsreform von 1948, den Niedergang der Pforzheimer Schmuckindustrie und mehrere Goldbaissen überstanden. Gegründet wurde das Unternehmen noch zu Zeiten des badischen Guldens. Seitdem ist die Mark zweimal untergegangen, 1923 als Papiermark und 1948 als Reichsmark, und auch die D-Mark wurde abgeschafft. Das Gold, das bei Hafner seit 1850 eingeschmolzen, getrennt und neu gegossen wird, hat seinen Wert auf lange Sicht behalten. Allein dieser Kontrast sagt mehr über Geld als jede Pressemitteilung einer Notenbank.
Interessant ist auch, wer heute Altgold verkauft. Die offizielle Inflationsrate mag sich wieder in Richtung der Zielmarke bewegen, die Preise im Supermarkt, für Energie und Versicherungen sind aber nicht auf das Niveau von vor 2021 zurückgekehrt. Inflation ist eine stille Umverteilung von Sparern zu Schuldnern, und der größte Schuldner ist der Staat. Wer seinen Goldschmuck zum Ankäufer trägt, um laufende Rechnungen zu bezahlen, liefert den Rohstoff, aus dem andere ihren Vermögensschutz aufbauen. Unsere Einschätzung: Der Strom von Bruchschmuck in die Scheideanstalten ist ein ehrlicherer Indikator für die Lage vieler Haushalte als manche amtliche Statistik.
Hinzu kommt der Regulierungsdruck. Der anonyme Tafelkauf von Edelmetallen ist in Deutschland seit 2020 nur noch unterhalb von 2.000 Euro möglich, ab Juli 2027 gilt EU-weit eine Bargeldobergrenze von 10.000 Euro. Offiziell dient all das der Bekämpfung von Geldwäsche. Die Frage muss erlaubt sein, ob der Bürger dabei nicht vor allem eines verliert: die Möglichkeit, über einen Teil seines Vermögens ohne staatliche Mitwisserschaft zu verfügen. Physisches Gold in kleinen, gut handelbaren Einheiten bleibt eine der wenigen Formen von Vermögen, die ohne Bank, ohne Konto und ohne digitale Infrastruktur funktionieren.
Unser Fazit
Ein C. Hafner Goldbarren ist kein Exot, sondern ein solide gemachtes Stück deutsches Anlagegold mit LBMA-Listung seit 2013, nachvollziehbarer Recycling-Lieferkette und einem Hersteller, dessen Kerngeschäft seit fünf Generationen die Rückgewinnung von Edelmetall ist. Ob Ihnen das Recycling-Argument wichtig ist, entscheiden Sie selbst. Beim Wiederverkauf in Deutschland müssen Sie gegenüber anderen gelisteten Marken keine Nachteile befürchten. Entscheidender als die Marke sind Aufgeld, Stückelung und die Frage, wie viel Ihres Vermögens Sie unabhängig vom Bankensystem halten wollen.
Häufige Fragen zu C. Hafner Goldbarren
Wo werden C. Hafner Goldbarren hergestellt?
Geschieden wird das Gold in der Recyclinganlage in Pforzheim, die Firmenzentrale mit der Fertigung sitzt seit 2015 im benachbarten Wimsheim im Enzkreis. Die LBMA führt Pforzheim als Raffineriestandort. Die Barren tragen den Herstellerhinweis „Made in Germany“.
Ist C. Hafner ein LBMA-zertifizierter Hersteller?
Ja. C. Hafner GmbH + Co. KG steht seit dem 8. März 2013 auf der Good Delivery List der LBMA für Gold. Das Unternehmen ist zudem nach eigenen Angaben nach dem Chain-of-Custody-Standard des Responsible Jewellery Council zertifiziert und lässt sich jährlich extern prüfen.
Ist Recyclinggold weniger wert als Gold aus der Mine?
Nein. Recyclinggold ist nach der Scheidung chemisch identisch mit Minengold. Ein Barren mit 999,9er Feingehalt wird unabhängig von der Herkunft des Rohstoffs zum selben Goldkurs gehandelt. Der Unterschied betrifft nur die Lieferkette und die Umweltbilanz, nicht den Wert.
Bekomme ich für einen Hafner-Barren beim Verkauf weniger als für einen Heraeus-Barren?
Im seriösen deutschen Edelmetallhandel in der Regel nicht. Barren gelisteter Hersteller werden zum Goldkurs abzüglich der Händlerspanne angekauft. Wichtiger als die Marke sind der Zustand des Barrens, die ungeöffnete Verpackung und die Größe, denn kleine Barren haben eine höhere Spanne.
Was ist die CertiCard?
Die CertiCard ist die Verpackung der Hafner-Barren mit integriertem Zertifikat. Sie zeigt Seriennummer und geprüfte Reinheit und ermöglicht es laut Hersteller, Echtheit und Unversehrtheit vor dem Öffnen zu kontrollieren. Für einen reibungslosen Wiederverkauf sollte sie geschlossen bleiben.
Fällt beim Kauf von Hafner-Goldbarren Mehrwertsteuer an?
Nein. Goldbarren mit einem Feingehalt von mindestens 995 Tausendstel gelten als Anlagegold und sind nach § 25c UStG von der Umsatzsteuer befreit. Gewinne aus dem Verkauf sind für Privatanleger nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr nach geltendem Recht einkommensteuerfrei.
Welche Größen gibt es von C. Hafner?
Geprägte Barren gibt es laut Hersteller von 1 g bis 100 g, darunter auch Unzengrößen, gegossene Barren von 1 oz bis 1.000 g. Hinzu kommen das SmartPack mit zehn teilbaren 1-g- oder 2-g-Barren und die SmartBox mit 25 Barren à 1 g. Eine Übersicht aller Größen finden Sie in unserer Kategorie Goldbarren, etwa unter 100-g-Goldbarren oder 1-kg-Goldbarren.
Quellen: Firmengeschichte und Interviews auf 175.c-hafner.de, Herstellerangaben und Unternehmenspolitik auf c-hafner.de, LBMA Good Delivery List Gold und Former List (Stand Oktober 2026), LBMA-Mitteilungen zu den Prüfverfahren 2026, LBMA Alchemist 113, Konzernabschluss 2022 der Hafner Gesellschaftsbeteiligungs-GmbH & Co. KG (Unternehmensregister, abgerufen über handelsregister.ai). Alle Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.
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